Mehr über Mütterkurse / Elternkurse
Seit 1999 werden von den Berliner Volkshochschulen in den Innenstadtbezirken Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg
und Schöneberg-Tempelhof im Rahmen eines Sonderprogramms des Berliner Senats Deutschkurse für
Eltern mit Migrationshintergrund durchgeführt. Zielgruppe sind Eltern von Kindern in Kindertagesstätten
und Grundschulen, die keine oder nur geringe Kenntnisse der deutschen Sprache haben und mit den regulär
angebotenen Sprachkursen nicht erreicht werden können. Die Deutschkurse finden während der
Unterrichtszeit ihrer Kinder statt.
Ziel der Kurse ist die Förderung der sozialen Integration durch eine an den Alltagsbedürfnissen
und Themen der Mütter orientierten Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse. Das Deutschlernen der Eltern
hilft dabei den Kindern, da es die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrer/-innen bzw. Erzieher/-innen
ermöglicht. Schließlich wird die Schule oder auch die Kita der Kinder für die Eltern ein
Lern- und Begegnungsort, der sich positiv auf die Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule auswirken kann.
Im ersten Halbjahr 2005 sind die Mütter-/Elternkurse ausführlich evaluiert worden, wobei besonderes
Augenmerk auf die Erfolgskontrolle gerichtet wurde. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden im November 2005
der Öffentlichkeit vorgestellt und haben bestätigt, dass diese Maßnahme die Integration
der Zielgruppe erfolgreich unterstützt, indem sowohl die Verbesserung der Sprachkenntnisse als auch
eine Erhöhung der sozialen Kompetenzen der Teilnehmer/-innen erreicht werden. Gleichzeitig wird die
wichtige Vernetzung zwischen Schule und Elternhaus positiv und nachhaltig befördert.
Vor dem Hintergrund massiver schulischer Defizite vieler Schulkinder aus Familien mit Migrationshintergrund
verfolgen die Volkshochschulen und die beteiligten Grundschulen als Ziel der Sprachkurse die Verbesserung
ihrer Bildungschancen durch die Förderung der Erziehungskompetenz der Mütter. Die Mütter
lernen, ihre Kinder bei der Erledigung ihrer schulischen Aufgaben zu unterstützen. Dieses anspruchsvolle
Ziel der Förderung der schulischen Integration der Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache durch die
Verbesserung der Elternarbeit bzw. der besseren Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus erfordert eine
aktive und inhaltliche Kooperation von Grundschule und Volkshochschule bei der Durchführung der Mütterkurse.
Die Zusammenarbeit zwischen den Schulen auf der einen Seite und den Lehrerinnen in den Deutschkursen für
Eltern auf der anderen Seite wird immer stärker ausgebaut. Seit dem Schuljahr 2004/05 unterrichten Lehrkräfte aus
Grundschulen auch in den Elternkursen, damit über diese Lehrer/-innen eine Brücke zwischen den
Deutschlernerinnen in den Elternkursen
und den Lehrer/-innen der Schule geschlagen werden kann. An verschiedenen Schulen haben wir die inhaltliche Zusammenarbeit
modellhaft intensiviert. Dort versuchen wir immer stärker die Inhalte und Themen der Schule in den Lehrplan der Deutschkurse für
Elternkurse einfließen zu lassen.
Die Weiterentwicklung der "Mütterkurse": Elternklassen
"Elternklassen" bezeichnen solche "Mütterkurse/Elternkurse", in denen mit Unterstützung von
Lehrer/-innen der Grundschulen oder auch in selbstständiger Regie der VHS-Kursleiter/-innen schulische
Themen und Belange in umfassender und systematischer Weise Eingang in den Deutschkurs finden.
In einigen Fällen wurde angestrebt, die Eltern einer Jahrgangsstufe in einer Elternklasse
zusammenzufassen. Mit Unterstützung eines gleichnamigen Modellprojekts des Bundesamts für
Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden in ausgewählten Kursen überdies ergänzende
Unterrichtsmaterialien für Elternklassen entwickelt.
In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Mitte startete Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner
in der Heinrich-Seidel-Grundschule eine besondere Elternklasse.
Er betonte: "Die Innovation des neuen Projektes ist, dass sich hier Eltern und Kindern parallel mit demselben
Schulstoff beschäftigen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen
Elternhaus und Schule ist der Schlüssel für den Lernerfolg der Kinder."
An zwei Tagen in der Woche lernen sie in einem Deutschkurs, der besonders auf die Bedürfnisse
der Eltern und der Schule abgestimmt ist. An einem weiteren Wochentag
wird den Eltern der aktuelle Schulstoff vermittelt. Gemeinsame Aktivitäten wie das Zubereiten
eines gesunden Frühstücks, das Packen der Schultasche, das Erarbeiten von Lesestrategien
sollen die Eltern in die schulischen Belange der Kinder einbeziehen und sie fit machen,
um ihren Kindern schulförderlich zur Seite stehen zu können. Am vierten Tag erhalten
die Eltern einen Computerkurs.
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